Umwälzungen finden in Sackgassen statt*

Als ich, vor 20 Jahren, meine Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen hatte, wurde dieser Beruf sehr häufig als so genannter "Sackgassen-Beruf" beschrieben. Ein Weg, der eingeschlagen war und dann nicht mehr weitergegangen werden konnte, weil die Entwicklungschancen fehlten und man buchstäblich an Grenzen kam.

 

"Alle sind wir schon mal mit unserem Auto in eine Sackgasse gefahren. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß könnte man eventuell weiterkommen. Mit dem Auto muss man umkehren und einen anderen Weg suchen." (L. Kühling, 2015, 48).

 

Natürlich gab es Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung, aber ein Studium z.B. der Sozialpädagogik aufzunehmen, bedeutete aus dem Beruf auszusteigen und in die finanzielle Unsicherheit zu gehen, um zu studieren. Ich kenne Kolleginnen, aus meiner Berufstätigkeit als Erzieherin, die diesen Schritt gegangen sind, um sich erweiterte berufliche Möglichkeiten zu eröffnen. Im Studium traf ich auf Kommilitoninnen, die neben einem Vollzeitstudium weiterhin als pädagogische Fachkräfte gearbeitet haben. 

Wir wissen, dass Erzieher_innen in Kitas wie auch Lehrkräfte in Schulen besonderen Belastungen in ihrem Berufsalltag ausgesetzt sind.

Alltägliche Herausforderungen, die neben einer tragfähigen Beziehung zu Kindern und Jugendlichen sehr viele Ressourcen abverlangen. Häufig sind es aber diese Gründe, warum wir uns für einen pädagogischen Beruf entschieden haben! Oder wie war das bei Ihnen?

Wie kann es dann sein, dass wir in Sackgassen landen, wenn wir uns diesen Beruf doch ausgesucht haben?

Welche Gefühle treiben uns um, wenn wir uns in einer Sackgasse befinden?

Welche Chancen ermöglicht uns das Ausharren in einer Sackgasse? 

 

Ich möchte mich mit den Handlungsanregungen nach L. Kühling beschäftigen und zitiere diese direkt:

 

-Definieren Sie sehr deutlich und ausführlich Ihre Sackgassensituationen.

-Tun Sie dies bewusst und detailliert. Ihnen sollte die Definition der Sackgasse danach plausibel sein. Für Sie sollte die Definition wahr sein. Sie ist die Grundlage für Ihr Handeln.

-Beschreiben Sie Ihre Umwälzungsstrategien.

 

Und wenn Sie sich jetzt fragen, was denn bitte schön eine "Umwälzungsstrategie" sein soll, dann fällt mir dazu die Theorie der kognitiven Dissonanz nach L. Festinger ein. Keine Angst! Es ist lange nicht so kompliziert, wie es sich anhört :-) 

Die Einstellung, die wir z.B. zu unserer aktuellen beruflichen Situation

haben und die uns belastet, könnten wir doch einfach verändert (umgewälzt) bewerten.

 

Aha! Und dann könnte sich die Dissonanz (Unstimmigkeit) und damit unsere Gedanken, in Endlosschleifen, auflösen.

Damit bewerten wir also eine Situation anders, um sie- provokativ gesprochen- besser auszuhalten:

 

"Ach, es ist eigentlich nicht so schlimm.....in anderen Arbeitsfeldern geht es ähnlich zu.....die Bezahlung ist sicher und pädagogische Fachkräfte werden gebraucht."

 

 

Oder aber: Sie schauen mal mit einem systemischen Blick auf Ihre Situation.

 

Welche guten Gründe gibt es für diese Sackgasse? Was würden Menschen in meinem Umfeld sagen, wenn ich ....

Welchen Nutzen hat für mich das Ausharren in dieser Situation? Wenn heute ein Wunder passieren würde, was würde verändert sein?

 

Vielleicht haben Sie Lust bekommen, im Gebüsch der Sackgasse, nach anderen Wegen und Erklärungen zu suchen?

 

Nur Mut!

 

Lassen Sie uns gut durch die restliche Woche kommen! 

 

 

Literaturquellen:

-Altenthan u.a. (2008): Psychologie. Bildungsverlag Eins. Troisdorf.

-Brecht, B. (1898-1956) in Kühling L.: Das Problem. der Spruch, die Lösung. (ebda.)

-Kühling, L. (2015): Das Problem, der Spruch, die Lösung. Aphorismen in Beratung, Therapie und Supervision. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen. S.48-49